„Formed and Freed“ ist das offizielle Motto dieses dritten theologischen Erkundungstages.Wie an den beiden vergangenen Tagen dient die theologische Erkundung letztlich der Wahrnehmung und Präzisierung von Fragen, die sich zur lutherischen Identität zu stellen lohnen. Mit diesen Fragen, soll die Erkundung in den Mitgliedskirchen in eine weitere Phase der Erkundung gehen.
Der sehr inspirierende Vortrag von Prof. Veli-Matti Kärkkäinen begann mit der Kolportage einer Behauptung von Regin Prenter aus den 60 Jahren: Die Theologie Martin Luthers sei durch und durch pneumatologisch - und er fügte auf seine trockene Weise hinzu: Ich glaube, das ist nicht wahr.
Er selber entwickelte auf eine sehr überzeugende Weise die Pneumatologie, die Luthers / lutherische Theologie tatsächlich trägt und wies zugleich auf die Leerstellen hin, an denen heute Weiterentwicklung dringend nötig ist. Wie gesagt, er tat das auf eine sehr anregende Weise.
Die Diskussion kam als zu einem Fazit:
Wir haben eine sehr gute lutherische Theologie des Heiligen Geistes - aber sie ist mehr implizit. Wir müssen besser davon reden!?
Und das berührt auch die Frage der Identität. Besteht lutherische Identität darin, dass lutherische Lehre und Spiritualität jede Ecke der Welt ausleuchten kann? Oder kann sie damit leben, dass sie aus ihrer Situation heraus fragmentarisch und auf die Ergänzung, Stärkung, Bereicherung durch die Gaben anderer angewiesen bleibt?
Ich denke, dass für die Fragen der Theologie des Geistes das Gespräch mit den Pfingstkirchen und den orthodoxen Kirche wichtig ist. So ein Gespräch kann dazu führen, dass man von anderen lernt, aber auch, dass man sich selber besser versteht.
Das Gespräch über den Tag hatte immer wieder mit den Gaben des Geistes, charismatischen Formen von Glauben und Kirche, Heilung - aber auch Mißbrauch und geistlicher Anmaßung zu tun.
Hilfreich fand ich besonders den Hinweis, dass sich eine lutherische Charismenlehre in der Theologie der Berufung und des Berufs finden läßt. Ich glaube, dass sie unter diesem Vorzeichen und unter der Bedeutung von Arbeit und Beruf für das Leben von Menschen, tatsächlich anzuschauen lohnt.
Eine besondere Dynamik einer solchen wunderbaren Konferenz wurde am Nachmittag deutlich spürbar. Die gelebte Gemeinschaft machte tatsächlich eine Einheit spürbar, die die Entfernung und die Verschiedenartigkeit unserer Kontexte weit hinter sich ließ. Das zeigte sich auch in affirmativen Aussagen zur uns alle verbindenden lutherischen Identität. Wieso eigentlich hatten wir von Identitäten im Plural gesprochen?
Darin liegt eine Gefahr im Blick auf die zu findenden Fragen: wenn die Gebrochenheit und Widersprüchlichkeit der lutherischen Gemeinschaft mit ihren verschiedenen Zentren im Überschwang überspielt wird, kann es sein, dass die Fragen zu harmlos und an der Wirklichkeit der tatsächlichen Herausforderungen vorbei formuliert werden.
Mit der Konsultation „We believe in the Holy Spirit : Global Perspectives on Lutheran Identities“ beabsichtigt der Lutherische Weltbund einen Studienprozess unter intensiver Beteiligung der Mitgliedskirchen bis 2023 zu beginnen, der sich nach dem 500. Jubiläum der Reformation mit der Frage nach der Identität / den Identitäten der weltweiten Gemeinschaft der lutherischen Kirchen widmet.
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Fragen über Fragen
Ein wesentliches Ziel der Konsultation war von Anfang an die Generierung von geeigneten, guten Fragen für eine Verständigungsprozess in den ...
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